Mit dem Chepe durch Mexikos Kupfercanyon

Wer dachte, dass der Grand Canyon die größte und schönste Bergschlucht der Welt ist, der hat noch nichts von Mexikos Kupfercanyon gehört. Kaum eine andere Reise-Route zeigt so viel von Mexikos Landschaft und Kultur wie eine Fahrt mit dem Chepe. Tipps, Ideen und mein Erfahrungsbericht Schwanger mit dem Chepe fahren, findet ihr im neuen Blogpost.Inhalt

  1. Unterwegs mit El Chepe
    Entscheidungen, die du vor der Reise treffen solltest
  2. Die Anreise
  3. Die Reiseroute
    Ankunft in Chihuahua
    Erster Halt: Chuathémoc
    Zweiter Halt: Divisadero
    Dritter Halt: El Fuerte
  4. Weiterreise nach La Paz
  5. Tipps zum schwangeren Reisen in Mexiko

1. Unterwegs mit El Chepe

Die Route durch den Kupfercanyon ist am schönsten mit dem letzten verbliebenen mexikanischen Personenzug zu bereisen. Die Route des sogenannten Chepe, Ferrocarril Chihuahua al Pacífico, zählt zu den atemberaubendsten Zugstrecken der Welt und führt in beide Richtungen von Chihuahua an die Pazifikküste. Die komplette Reisezeit beträgt circa 14 Stunden, jedoch gibt es mehrere Stops, für die es sich lohnt einen mindestens eintägigen Aufenthalt einzuplanen.

Die offizielle Homepage findest du hier.

Entscheidungen, die du vor der Reise treffen solltest:

1. Startpunkt in Chihuahua oder Los Mochis
2. Zug erster oder zweiter Klasse (wir haben den Zug erster Klasse genommen und sind angenehm gereist. Du solltest dir jetzt aber kein Zugabteil der DB in der ersten Klasse vorstellen) 😉
3. Haltestationen
4. Weiterreise (z.B. nach La Paz, Mazatlán oder Mexiko Stadt)

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Alle Infos auf einen Blick (Quelle: Screenshot chepe.com.mx)

2. Die Anreise

Der Chepe beginnt im nördlichen Landesinneren und endet in Los Mochis – oder al revés (andersherum), je nach gusto und Reiseroute. Wir haben uns für den Start in Chihuahua entschieden, um die Tour in Los Mochis noch nicht enden zu lassen, sondern mit der Fähre weiter auf die Landzunge Baja California zu fahren. Ein weiterer Punkt für den Start in Chihuahua ist die gute Anbindung des Internationalen Flughafens an das Flugnetz zwischen Mexiko und den USA. Täglich landen dort mehrere Flieger aus den USA und aus Mexikos Landeshauptstadt.

Ich empfehle die Zugtickets schon vorher telefonisch zu kaufen. Zwar bietet die Transportfirma auch den Kauf online und über E-Mail an, aber weder wir noch Freunde von uns, die die Reise ein Jahr später angetreten sind, bekamen jemals eine Antwort auf unsere Nachrichten. Wer keine Angst vor Spontanität hat, kann die Tickets auch am Tag vorher am Bahnhof im Chihuahua kaufen. Am besten du bittest die Mitarbeiter deiner Unterkunft um Unterstützung, wenn du kein Spanisch sprichst, denn mit Englisch kommt man hier nicht weit. Und das nicht unbedingt, weil die Mexikaner (im Norden) kein Englisch könnten…

3. Die Reiseroute

Wir hatten nur drei Tage Zeit, aus denen wir aber definitiv das Beste rausgeholt haben. Unsere Stops: Chihuahua, Cuauthémoc, Divisadero und El Fuerte.

Ankunft in Chihuahua

Je nach Ankunftszeit aber auch, weil der Chepe Mexiko schon früh morgens startet, lohnt es sich, eine Nacht in der Großstadt zu verbringen. Es ist egal in welcher Jahreszeit du in den Norden Mexikos reist, die brennende Sonne bekommst du eigentlich immer zu spüren. Während eines Spaziergangs durch die Innenstadt bermerkst du schnell die für hier typischen aufgerissenen Asphaltgehwege und -straßen, daher auch der aus dem Náhuatl „trockener und sandiger Ort“ übersetzte Name der Stadt: Chuhuaha. Die Hitze lädt vor allem dazu ein, sich einen schattigen Platz unter den Sonnenschirmen in der Fußgängerzone zu suchen und mit einem Eis in der Hand von Geschäft zu Geschäft zu bummeln. Hier findet man für die Region typische Lederstiefel, Sombreros und bunt kitschigen Krimskram.

Hotelempfehlung: Wer von der langen Anreise entspannen möchte und weniger Lust auf volle Schlafsäle im Hostel hat, der kann sich in eins der zentrumsnahen Hotels wie das Ibis einbuchen. Das liegt zwar eine gute halbe Stunde vom Flughafen weg und auch einige Minuten vom Bahnhof, aber ein Taxi uber ist auch in Chihuaha schnell gerufen.

Restaurantempfehlung: Einen typisch mexikanischen Abend verbringst du mit Bier, Tacos und lauter Musik in der Fonda de Alicia, nur wenige Gehminuten vom Hotel ibis entfernt.

Erster Halt: Cuauthémoc

Vor allem, wer sich für die deutsche Kultur interessiert, sollte einen Stop in Cuathémoc einplanen. Stop, denkst du hier? Deutsch? Richtig! Denn hier leben die in den 20-er Jahren des letzten Jahrhundert aus den USA ausgewanderte deutschstämmige Mennoniten. Im Museum erzählt uns ein blondes Mädchen meines Alters in bestem Hochdeutsch von der Geschichte der circa 40.000-Mensch großen Gemeinde. Von den Technik-verabscheuenden Menschen, wie ich es in einem Zeitungsartikel zuvor gelesen habe, fehlt jede Spur. Die Mennoniten leben in freundlich-nachbarschaftlicher Beziehung mit den Mexikanern zusammenl und betreiben gemeinsamen Handel. Zwar heiraten die Mennoniten in der Regel nur innerhalb ihrer Gemeinschaft, aber auch Liebesheiraten zu Mexikanern und Mexikanerinnen werden akzeptiert. Heute verwenden die deutschstammigen Einwohner auch modernere Technik, um ihre Felder zu belandwirtschaften, aber unsere Museumsführerin erzählt uns, wie ihre Großeltern das trockene Steppenland mit mühsamer Arbeit bebaubar gemacht hatten.

Nach der Museumstour kaufen wir noch einen selbstgemachten Käse und gehen im American Diner essen. Um uns herum sitzen lauter blonde Kinder, die ein bisschen aussehen, als wären sie aus Büllerbü entflohen und beobachten uns mit ihren blauen Augen. Der Moment hatte etwas groteskes an sich, in Mexiko einen American Burger essend, beobachtet von lauter Kinderchen, die auch meine hätten sein können.

Alternative Route: Wer nicht schon früh aus den Federn möchte, kann auch entspannt mit dem Bus oder Taxi von Chihuaha nach Cuauthémoc fahren und erst dort in den Chepe Mexiko steigen. Aber Vorsicht: Der Ticketschalter ist nur spärlich besetzt und du solltest dir vorher auf jeden Fall schon eine Reisekarte in Chihuahua besorgt haben.

Zweiter Halt: Divisadero

Nach einer vormittägigen Fahrt mit der Eisenbahn steigen wir in Divisadero aus und befinden uns direkt inmitten der Barrancas del cobre. Schon die Ankunft am Bahnhof ist ein Spektakel! Zwischen den Gleisen und hinter den Wagons wimmelt es von Kindern, Frauen und Alten, die ihre artensanías und Fruchtbecher verkaufen. Kein Urlauber (auch die bezüglich Streetfood sonst so zurüclhaltenden), kommt an den Ständen der weltbesten Gorditas vorbei, ohne kurz anzuhalten und mindestens eine Gordita zu kaufen. Die Tortillafladen werden in Fett gewendet und reichhaltig mit den kulinarischen Schätzen der Region beladen: Quesillo, nopal (Kaktus), tinga de pollo (eine Art verrupftes Huhn) und natürlich mit salsa picante.

Vor allem wer, wie wir, nur wenig Zeit mitbringt, ist dieser Halt der ideal gelegene Ausgangspunkt für weitere Touren zu Fuß oder zu Pferd. Diese können im Hotel vor Ort gebucht werden, oder aber du wanderst in deinem Tempo, die Aussicht bestaunend, an den Klippen entlang bis zu der Zipline. Die Tour dauert circa eine Stunde und wer nicht mehr kann, kann auch auf die Mini-Bahn zurückgeifen.

Hotelempfehlung: Wer auf Nummer sicher gehen möchte und schon im Voraus ein Hotel direkt am Bahnhof bucht, dem bleibt fast nur das Hotel Divisadero. Zwar hat es eine wunderschöne Aussicht, aber die Unterkunft ist völlig überteuert und das Essen ein Graus. Bist du spontaner unterwegs, kannst du dich auch vor Ort um eine Unterkunft kümmern. Diese fällt dann wahrscheinlich einfacher aus, aber Angst vor dreckigen Schlafplätzen musst du in Mexiko so gut wie nirgends haben. Zwar kann es passieren, dass in der Hochsaison die Hotels relativ ausgebucht sind, aber du kannst dir sicher sein, immer einen Schlafplatz zu finden. Immerhin hat auch der Chepe nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen und anders als mit der Eisenbahn kommt kaum jemand nach Divisadero.

Spezial: Wer einen Tag mehr in Divisadero verbringen kann, sollte auf jeden Fall versuchen die Tarahumara kennenzulernen. Das indigene Volk aus den Barracas ist geboren um zu rennen. Seit Jahrhunderten lebt das Volk in den Schluchten und schon von Klein auf lernen sie, sich in der Felslandschaft zu bewegen.

Dritter Halt: El Fuerte

Nach circa der Hälfte der Fahrt verlässt der Chepe Mexiko die Barrancas del Cobre und fährt in die flache und weite Landschaft Sinaloas. Am Abend unseres dritten Tages erreichten wir schon in der Dunkelheit El Fuerte. Der Bahnhof liegt nicht direkt in der Stadt, aber bei Ankunft der Eisenbahn warten mehrere private Taxifahrer an den Gleisen auf die Reisenden. Aber was um am nächsten Tag erwartete, konnten wir an diesem Abend noch nicht erahnen…

Bildschirmfoto 2017-12-17 um 20.28.31In El Fuerte, dem pueblo mágico, hat es im August durchschnittlich 34 Grad und die schwüle Hitze zwang mich regelrecht dazu, den Tag in den kühen kolonialen Gemäuern unseres Hotels Hotel El Fuerte zu verbringen. Erst am späten Nachmittag traute ich mich heraus und spazierte durch die Altstadt. Das centro histórico wird in mehreren Reiseführern als das schönste des Landes geführt.

Auch Ökotouristen können vor Ort Reittouren oder Kanufahrten durch die schöne Sumpflandschaft rund um das magische Dorf zu buchen – aber genügend Sonnenschutz darf im Daypack nicht fehlen.

4. Weiterreise nach La Paz

Die Weiterreise auf die Baja California Sur verläuft relativ unkompliziert. Während unserer Recherche haben wir im Internet zwar oft gelesen, dass der Chepe Mexiko oft zu spät in Los Mochis ankommt und die tägliche Fähre, die um circa 24 Uhr in Topolobampo startet, nicht mehr erreicht wird. Aber bei uns lief alles nach Plan. Wenn du auf Nummer sicher gehen möchtest, kannst du auch rechtzeitig ein Taxi von El Fuerte nach Topolobampo zur Fährenanlegerstelle nehmen.

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Alle Infos auf einen Blick (Quelle Screenshot Bajaferries.com)

Die Fähre hat zwei Klassen. Mit dem Standardticket (ab 1,100 Pesos) bekommt man einen Sitzplatz, ähnlich einem Sitz im Bus mit TV-Entertainment und kann zusätzlich eine Kabine für vier Personen (für circa 900 Pesos pro Kabine) mit zwei Hochbetten und kleinem Klo dazubuchen. Nicht nur schwanger lohnt sich das Geld für die Kabine. So kommst du frisch morgens in La Paz an.

5. Tipps zum schwangeren Reisen in Mexiko

Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Stellt der Zika-Virus eine Gefahr für schwangere Frauen in Mexiko dar?
Das Auswärtige Amt warnt weiterhin vor der Reise nach Mexiko für schwangere Frauen. Grund ist der Zika-Virus, der vor allem Ungeborenen Babys schaden kann. Es gibt zwar Regionen, in denen es der Mücke zu kalt, zu hoch und die Luft zu dünn ist (wie zum Beispiel das Hochland rund um Mexiko-Stadt und Puebla), aber vor allem im tropischen El Fuerte ist die Zika-Mücke eine ernstzunehmende Gefahr.

Gibt es in Mexiko ausreichend medizinische Versorgung?
Abgesehen vom Zika-Virus ist Mexiko ein Land, in dem du dir als schwangere Reisende nicht mehr Sorgen machen brauchst, als in einem anderen Urlaub auch. Private Krankenhäuser für Untersuchungen oder Kontrolltermine gibt es in jeder größeren Stadt, so auch den klassischen Urlaubszielen Cancún und Mexiko-Stadt. Das Hospital Ángeles hat beispielsweise mehrere Standorte, unter anderem in Chihuahua, Playa del Carmen, Puebla und Mexiko-Stadt.

Wie sind die Hygiene-Standards in Mexiko?
Vor allem in den All-Inclusive Resorts in Cancún und Playa del Carmen musst du dir über die Hygiene keine Sorgen machen. Während einer Reise durch das Landesinnere, wie zum Beispiel den Kupfercanyon empfehle ich das Straßenessen zu meiden, nicht in öffentlichen Schwimmbädern zu baden und bei Fleisch- und Fischgerichten (wie Ceviche) immer nach der Zubereitungsart zu fragen.

Die Mexikaner selbst sind unglaublich zuvorkommend, wenn sie einer Frau mit Baby im Bauch begegnen. Egal ob in den öffentlichen Verkehrsmitteln, bei Bootsfahrten oder im Restaurant bekommst du immer den besten und bequemsten Platz.

Bist du schwanger, hast aber trotzdem Lust darauf nach Mexiko zu reisen? Dann melde dich gerne über das Kontaktformular, falls du weitere Fragen hast.

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