Mit dem Mietwagen durch Nicaragua

Eine Rucksackreise mit Baby bedeutet keine halsbrecherischen Abenteuerfahrten mit dem chickenbus mehr, sondern entspanntes Fahren mit dem Mietwagen. Aber sind diese Fahrten wirklich entspannter? 5 Tage mit dem Mietwagen durch Nicaragua!

Wir reisen in unserem (beziehungsweise in Haubis) Tempo, machen Pausen wann und wie sie es braucht und haben einen Rückzugsort zum Stillen und Wickeln. Neuerdings ist der Babysitz im Auto sowieso der einzige Ort, an dem unser Medi sofort und unkompliziert einschläft. Check!

Aber mit dem Mietwagen durch Nicaragua reisen heißt nicht, dass man weniger Gelegenheit hat, mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen. Denn:

  • allem vorweg, mit einem hellhäutigen, blauäugigen kleinen Zwerg, der auch noch jedem gerne sein 6-zahniges Lächeln schenkt, sind wir immer schnell im Gespräch mit indigenen Kindern und verschwitzten Marktschreiern.
  • die Verkehrspolizei hält normalerweise keine fahrzeuglose Reisende an. Ist ja eigentlich klar. Warum sollten Bus-Reisende mit der Verkehrspolizei ins Gespräch kommen?

Nachdem ich schon in Mexiko gelernt hatte, dass Polizei nicht gleich Polizei ist, fragte ich sicherhalbsweise unsere Mietwagen-Agentin, wie das in Nicaragua mit den uniformierten Ordnungshütern so ist: No, no, aquí todos seguimos las reglas. Für mich hieß das, hier ist die Polizei eine wahre Autorität, hier herrscht Recht auf den Straßen.

Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte

An unserem zweiten Tag in Nicaragua, erholt vom frühen Aufstehen, der Reise und dem Hitzeschock, starten wir mit einem Frühstück in den Tag, das dem Spruch „Frühstücken wie ein Kaiser…“ in nichts nach steht. Auch Haubi bekommt ihren eigenen Teller mit Papaya, Wassermelone und Avokado. Im Urlaub müssen wir es uns schließlich allen gut gehen lassen. Gestärkt kann die Fahrt mit dem Suzuki Jimny (dem mexikanischen Nissan Tsuru, oder auch liebevoll von uns „der Rollschuh“ getauft) zur laguna del apoyo beginnen.

Nach 20 Minuten auf der Autobahn biegen wir auf einen gut befahrbaren Feldweg ein. Guter Dinge kurbeln wir die Fenster runter, sonnen unsere Arme und der Fōda (und Fahrer der Familie) schnallt sich ab. Was für Folgen dieser kurze Klick auf den Knopf haben würde, daran denkt noch niemand. Aber was soll bei 10 km/h auf dem Feldweg schon passieren?

Nichts. Außer wenn hinter der nächsten Kurve zwei nicaraguanische Polizisten im Roller warten. Mit einer kaum merkbaren Handbewegung winken sie uns an den Feldwegrand und fordern uns auf anzuhalten. Führerschein und Fahrzeugpapiere bitte, brummt uns der bärtige, jüngere von den beiden an. Während ich die Unterlagen aus dem Handschuhfach pule, höre ich ihn weiterbrummen: Warum benutzt du keinen Sicherheitsgurt? Tja, was soll man darauf schon groß antworten außer perdón, lo he olvidado…

Das macht dann 20 Dollar. Ok. Also kramen wir 500 Córdoba aus dem Geldbeutel und reichen sie ihm. Nein, nein. Das müsst ihr auf der Bank einzahlen zusammen mit dem gelben Strafzettel, murmelte er verdutzt. Oh nein. Ich erinnere mich an die Worte der Mietwagen-Agentin und denke, jetzt hätten wir ihn beleidigt, hätten ihn für einen korrupten Polizisten gehalten.

Meine Reaktion? Ich quassle drauf los: es que lo que pasa es… in Mexiko ist das so, dass man die Polizisten immer direkt bezahlt. Weil wir das nicht anders kennen, dachten wir, hier wäre es genauso… An den Rest meiner Worte erinnere ich mich nicht mehr genau, wie so oft, wenn ich in meinen deutsch-mexikanischen Ausredemodus schalte. Es kam mir aber vor wie ein minutenlanger Monolog.

Ah, son mexicanos? Lacht er, faltet die Preisliste auf und zischt durch seinen Bart: Legt mir hier rein, was ihr für richtig haltet. 190 Córdoba ärmer, der Polizist um den selben Betrag reicher, verlassen wir den Ort des Geschehens. So so, Ordnungshüter also.

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