Body Positivity: wie körperfreundliche Kindererziehung funktioniert

Madame Flamusse von reingelesen hat zur Blogparade zum Thema „Mein Körper und ich“ aufgerufen. Danke für die Gelegenheit, über ein so wichtiges Thema nachzudenken und das Wirrwarr an Gedanken auf Papier zu bringen.

Als Kind und Teenager hieß es immer, dass ich meinen Bauch nicht so raus hängen lassen soll. Jetzt unterliegt meine Familie aber nicht irgendeinem Top-Model-Wahn, wir wurden als Kinder nicht zu Casting-Shows geschickt und mehrere Instrumente mussten wir genauso wenig spielen lernen wie alle Sportarten zu beherrschen. Jeder von uns Kindern hat das begonnen, was ihm und ihr Spaß gemacht hat und das wurde dann eben gefördert. Aber zurück zu meinem Bauch. Ich ließ ihn also raus hängen wo und wie ich es wollte, meistens jedoch total unbewusst. Er ist ja eben einfach da, oder habt ihr euch schon mal gewundert, ob der kleine rechte Zeh an der richtigen Position sitzt? Ich glaube meiner Familie ging es eher um die Bauch-und Beckenbodenmuskulatur, aber das konnte ich als Kind nicht wissen. Von Natur aus mit meinem eigenen Kopf versehen erwiderte ich trotzig was man hat, das hat man und damit war das Thema für mich erledigt.

Worte, die den kindlichen oder pubertären Körper betreffen, dürfen nicht unbedacht achtlos ausgespuckt werden. Denn es gibt auch weniger trotzige Kinder, deren Geschichte anders verlaufen ist. Jetzt bin ich selbst Mutter einer Tochter und frage mich, wie wir als Eltern unser Kind zu einer sich selbst liebenden Person erziehen können. Natürlich wäre es naiv zu glauben, dass Erziehung alleine reicht; als Prävention gegen Essstörungen oder ein gestörtes Verhältnis zum eigenen Körper. Aber elterliche und familiäre Erziehung ist das Fundament.

Erziehung via Körperrespekt

Das bedeutet dann, dass dieser neuartige autonome Erziehungsstil á la „verbieten ist Gewalt“ nicht in Frage kommt. Mein Kind soll die Möglichkeit bekommen, ihren Körper zu lieben. Dafür muss sie ihn respektieren und pflegen. Sie wehrt sich gegen die Sonnencreme? Wer in der Sonne spielen will, der muss sich eincremen. Aber um den Körper muss man sich kümmern. Er will genährt werden und nicht hungern, er will geschützt werden und nicht ausgesetzt, er braucht Liebe und keine Schönheits-OPs.

Erziehung via Enttabuisierung

Unser Körper gehört zu uns, so wie wir zu unserer Familie gehören. Somit ist die intime familiäre Atmosphäre der beste Ort, um das Bewusstsein für den respektvollen Umgang mit unserem Körper zu schaffen. Das heißt zum einen gute Vorbilder abzugeben. Klar habe auch ich (das trotzige Kind) mit der ein oder anderen Körperpartie zu kämpfen. Aber ich werde mich (und meinen Bauch) nicht unter einem Badeanzug verstecken. Ihn höchstens mal einziehen, wenn ich dran denke… 😉

Zu Hause kann mein Körper tun und lassen was ihm gut tut. Ich finde das wichtig. Zu Hause muss ich ihn nicht verstecken, mich genieren, wenn das Kind mich beim umziehen ertappt. Daheim kann mein Körper atmen, braucht kein Make-up und keine lackierten Fingernägel.

Die richtigen Werkzeuge mit auf den Weg geben

Doch wie schaffen es Eltern ihren Kindern beizubringen a) ihren Körper und dessen Bedürfnisse wahrzunehmen und ihn b) zu respektieren? Wir müssen ihnen die richtigen Werkzeuge mit auf den Weg geben: eine ausgewogene Ernährung, Bewegung, ausreichend Sauerstoff, Wasser und Schlaf, kein ausuferndes Verhältnis zu Medikamenten, Ruhephasen, Spa-Maßnahmen… die Liste ist individuell erweiter- und anpassbar.

Kein Mensch hat ein komplet absolutes positives Verhältnis zu seinem Äußeren, complete body positivity ist Utopie. Wer bitte is(s)t beim Italiener so diszipliniert, dass er oder sie am Ende das Restaurant nicht mit einem totalen Völlegefühl verlässt? Wer fühlt sich während einer Grippe nicht wie ein wandelndes vollgerotztes Taschentuch? Der Unterschied ist, den Körper zu lieben, ein Spaziergang nach Pizza und Tiramisu anstelle der Abführtablette, ein warmes Eukalyptus-Bad statt Penizillin.

Es gibt da noch einen zweiten Spruch aus meinen Kinder- und Jugendtagen: Liebe deinen Körper, dann liebt er dich auch! Mit diesen Worten verabschiede ich mich und hüpfe mit meinem (für meine Stillbrüste viel zu engen) Bikini in den Pool. Hasta luego.

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