anécdotas de la oficina: Mit Zimt und Zucker deine Antwort pudern

Die dos and don’ts am mexikanischen Arbeitsplatz, erzählt in zehn kleinen Anekdoten. Teil 2: Mit Zimt und Zucker deine Antwort pudern.

In Mexiko gibt es tausende Möglichkeiten, um nein zu sagen. Ein Spoiler vorweg: „nein“ ist keine davon.

Personifizierung mit Zimt und anderen exotischen Gewürzen

Es gibt Kulturen, und da ist die mexikanische nicht allein, da wird nicht verbal auf den Tisch gehauen, wie in Deutschland. Die Kommunikation allgemein ist indirekter, mehr durch die Blume, diskreter und niemals unfreundlich. „Nein“, „leider“ und alle weiteren Formen der Verneinung sind ein Zeichen schlechter Erziehung. Aber das heißt nicht, dass sich die Mexikaner alles gefallen lassen. Nö, sie haben sich einfach kreative Alternativen ausgedacht. Die Anfängervariante wäre ein simples luego. Jetzt gerade kannst du nicht telefonieren, magst das Obst vom hundertsten Stand auf dem Markt nicht kaufen, kannst nicht zum Geburtstag kommen. Jetzt gerade nicht, aber später eben. Oder das allseits beliebte ahorita (aber das ist irgendwann eine eigene Geschichte wert). Die Variante für Fortgeschrittene: gracias, danke, verpackt in ein süßes Lächeln. Hier sind Schauspielkünste mindestens auf Amateur-Niveau gefragt, gepaart mit ein bisschen Skrupellosigkeit.

Ein absolutes Basic für das Überleben im mexikanischen Büro: dass ein „nein“ immer persönlich genommen wird, jetzt in der zweiten Anekdote.

Mit Zimt und Zucker deine Antwort pudern

Ich hasse Zimt, außer mit Milchreis. Aber ansonsten kann ich ihn nicht riechen. Meistens wenn ich einen Cappuccino bestelle, fällt es mir erst wieder ein, wenn er schon auf dem Tisch steht: Mist, schon wieder vergessen zu sagen, dass ich meinen Kaffee gerne ohne Zimt hätte. Bis jetzt hat es mir der Zimt aber auch noch nie böse genommen. Er geht einfach seiner Wege und ich meiner. Wir akzeptieren uns, tolerieren die Anwesenheit des Anderen, aber ansonsten gehen wir uns eben aus den Weg.

Bis heute. Denn heute war der Tag, an dem ich den Fleisch gewordenen Zimt in Person traf. Ich dachte mir immer, wenn ich mal Herr Zimt treffen würde, dann rieche ich ihn kilometerweit voraus und würde ihn spätestens erkennen, wenn er an mir vorbei geht, hinter sich eine Zimtspur ziehend wie die Nacktschnecken im deutschen Garten nach einem Sommerregen. Dem war aber nicht so. Genau genommen ist Herr Zimt eine Frau und sieht aus wie eine meiner Kolleginnen.

Wir sitzen in einem Meeting. In meiner Tasche habe ich die 120 Pesos, die ich ihr schulde. Oder besser, ihrem Mann. Er verkauft nämlich exotische und europäische Gewürze, organisch hergestellt, fair trade. Nach dem Meeting gebe ich dir das Geld, bedanke mich für die super geschmackvollen Sachen und will gehen, als sie mich aufhält. Du, ich habe da was super leckeres für deinen Kaffee, öffnet ein Probedöschen und ich ahne es: Canela. Theatralisch (das habe ich mir übrigens auch von den Landsleuten meiner Wahlheimat abgeschaut), wahrscheinlich etwas zu theatralisch, halte ich meine schützende Hand über den Pappbecher und rufe ¡nooo! Odio canela. Das verbotene Wort. In Kombination mit ich hasse. Das war der Todesstoß für unsere kollegiale Beziehung. Ich las es aus ihren Augen und später bestätigte es sich, als ihr Mann zufällig nie die Gewürze da hatte, die ich bestellte.

Aber was genau habe ich eigentlich falsch gemacht?

Drei Interpretationen:

  1. Du, ich mag überhaupt kein Zimt. So wie andere Menschen keine Spinnen mögen. Nimm’s mir nicht übel, ich mag eure Gewürzmischungen, aber Zimt ist einfach nicht mein Ding. Für alles andere bin ich offen.
  2. Ja, stimmt schon. Ich habe ein paar eurer Produkte gekauft aber ehrlich gesagt stehen sie nur im Schrank rum und langsam reicht’s mir. Bitte biete mir nichts mehr an, ich mag nichts mehr kaufen.
  3. Ich hasse dich. Puuuh. So jetzt ist es endlich raus. Es lag mir ja schon so lange auf dem Herzen. Ich hasse alles was du angefasst hast, alles was dir gehört und deine ganzen Produkte. Dich und dein widerliches Canela.

Wenn ich mit der zweiten Interpretation noch gut weg gekommen bin, gibt es eine minimale Chance auf Wiedergutmachung (nach vielen kleinen Aufmerksamkeiten und Einladungen zum Essen). Mit letzterer Variante werde ich mir unsere zukünftige Beziehung gehörig versalzen haben.

 

Lesetipp: ein Perspektivenwechsel auf mexicanosenalemania.com.

Quelle Titelbild: pexels | pixabay

 

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