anécdotas de la oficina: Um die Ecke denken, um geradeaus zu kommunizieren

Die dos and don’ts am mexikanischen Arbeitsplatz, erzählt in zehn kleinen Anekdoten. Teil 1: Um die Ecke denken, um geradeaus zu kommunizieren.

Werte vs. Vorurteile

Treffen Kulturen aufeinander, so auch ihre Werte. Obwohl ich in meinem Kopf eine wage (bis klare) Vorstellung von dem habe, worüber ich schreiben möchte, halte ich kurz inne und frage mich, was sind Werte? Was unterscheidet sie von Vorurteilen? Was sind typisch deutsche und was typisch mexikanische Werte? Wertvorstellungen sind im Gegensatz zu Vorurteilen mit einem positiven Gedanken verbunden. Vielleicht auch ein bisschen mit Tugenden vergleichbar.

Seit meinem ersten Arbeitstag als Praktikantin, damals noch in Deutschland, hatte ich mit Deutschen, Mexikanern und Spaniern und ein paar wenigen anderen Minderheiten zu tun. Damals noch in meiner Hood, also mehr oder weniger, Bayern eben (da ich sowieso immer eine zuagreiste sein werde, darf ich diese Unterscheidung an dieser Stelle und auch in Zukunft stets mit einem Augenzwinkern machen), ein Heimspiel. Als Praktikantin in der Kommunikation eines großen deutschen Arbeitsgebers und später als Kommunikatorin für denselben großen deutschen Arbeitgeber, aber dann mit Standort in Mexiko, kommt mir auch als erstes die Kommunikation in den Sinn, wenn ich an Werte denke.

Wenn der bärtige, wohlgenährte, Karohemd-tragende Bayer in seinem akzentfreien, perfekten Hochdeutsch eine direkte Sprache mit seinen mexikanischen Kollegen spricht und diese durch viele Blumen antworten, dann entsteht auch schon meine erste Anekdote.

Um die Ecke denken, um geradeaus zu kommunizieren

Die Sonne blendet an der weißen Wandfassade. Die Hitze knallt erbarmungslos auf unser Stückchen Erde. Da stehe ich. Habe meine Kugel vom dritten Stock runter auf den Parkplatz geschoben, unser vereinbarter Treffpunkt. Weil „ahorita“ nicht zwangsläufig –  ok, ich korrigiere mich, eigentlich nie – „sofort“ heißt, habe ich meinem Lieferanten gesagt, er soll sich melden, wenn er angekommen ist. Wäre ich zur vereinbarten Zeit gekommen, hätte das Kind in meinem Bauch wahrscheinlich schon einen Sonnenbrand zweiten Grades.

Das Event beginnt um 4. Den Lieferanten für das ausgeliehene Equipment habe ich auf 12 Uhr bestellt. Mittlerweile ist es fast 3. Ich kratze vor Nervosität an meiner Nagelhaut. So ein Mist, dass ein kurzer nikotin-beladener Zug so was von tabu für mich ist.

Ich rufe ihn an. ¿Dónde andas? – Pues, aquí estoy. – No te veo. – Apenas llegando.  Alles klar. Der Lieferant steht vor dem Fabrikgelände und wartet auf Einlass. Das kann dauern und ich setze mich auf die Bordsteinkante in den Schatten.

15 Minuten später. Das Handy klingelt. Ya. En dónde le veo? Ich erkläre ihm den Weg, den ich auch schon zwei Tage zuvor säuberlichst auf ein Papier gezeichnet und seinem Chef per Mail geschickt habe. Ah ya. Ahorita voy por allá. Er kommt gleich. Das Event beginnt in einer dreiviertel Stunde und so ganz untypisch kommen die Kollegen auch immer pünktlich. Es gibt Kekse und Refrescos.

5 Minuten vergehen. Selbst wenn man sich an die 10-km/h-Regel hält, hat man innerhalb von zwei Minuten die kurze Strecke hinter sich gebracht. Ich sehe ihn nirgends und rufe an, mittlerweile alles andere als freundlich. Pues, aquí estoy. – No te veo. – No, si! Aquí estoy. Ich sehe ihn nirgends und wir diskutieren miteinander. Eine Minute vergeht. Eine weitere. Ich laufe von links nach rechts, von der Sonnen in den Schatten, von der einen zur anderen Straßenseite. Und plötzlich wird mir klar: wenn ich links zum Eingang stehe, dann ist der Eingang rechts. Wenn ich rechts zum Eingang stehe, ist dieser links.

Eine halbe Stunde bis zum Event. Ich setze mich in Bewegung. Watschle die zwanzig Meter zum nächsten Eck und Tatsache! Da steht er: der weiße Lieferwagen mit meinem Equipment.

Dos and Don’ts am mexikanischen Arbeitsplatz

  • Small Talk ist die Basis für einen respektvollen Umgang mit Kollegen und Geschäftspartnern. Als mein Zulieferer dann endlich eintraf, hätte unser Treffen in etwa so beginnen sollen: Wie war die Anfahrt? Seid ihr gut durchgekommen? Achso, viel Verkehr. Ja klar, das verstehe ich. Ich ja auch total untypisch so viel Verkehr auf der Strecke. Kein Problem, dass du drei Stunden zu spät bist. Möge er meinem hochschwangeren Ich verzeihen 😉
  • Mit einem freundlichen Umgangston drückt man gegenseitige Wertschätzung aus. Die typisch deutsche, etwas lauter werdende, Tonlage kann schnell als aggressives Verhalten verstanden werden. Er und seine drei Helfer haben es dann tatsächlich noch rechtzeitig geschafft, das komplette Equipment vor 4 Uhr aufzubauen und als alles vorbei war setzte ich mich zu den vier Männern in Blaumann entschuldigte und bedankte mich für ihre Hilfe. La próxima vez saben.

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Quelle Titelbild: pexels | Gratisography

 

 

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