Oh wie schön ist Panama – Rucksackreise mit Baby

Wer kennt es nicht? Dank Janosch wahrscheinlich das erste (latein-)amerikanische Land von dem Kinder hören und träumen. Wir haben das Experiment gewagt. Wir haben unser Haubi eingepackt und noch bevor sie vom kleinen Tiger und Bär gehört hat, auf diese Reise genommen. Auf ins Land der chiquita Bananen.

How to Backpack with a Baby?

Wenn die kleine Familie in Deutschland, oder zumindest in einem europäischen Land wohnen würde, wäre das ganze wahrscheinlich um ein doppeltes aufregender. Aber von unserem aktuellen Wohnort nur drei Flugstunden entfernt, liegt Panama. Ins Land vom kleinen Tiger und Bär haben wir unsere ersten Rucksackreise mit Baby unternommen. Und weil das ganze doch schon sehr abenteuerlich sein kann, habe ich unsere top-six-Tipps festgehalten.

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Top 1: den richtigen Zeitpunkt finden

Gleich der erste Tipp und ich muss mir schon widersprechen, denn es ist wahrscheinlich doch ein Mythos und den richtigen Zeitpunkt gibt es gar nicht – vor allem nicht mit Baby im ersten Lebensjahr. Ich hatte große Pläne vor der Geburt: Arbeiten, Weiterbildung, Reisen… Wie es dann wirklich kommt, sah ich erst, als es so weit war und das Küken geschlüpft ist.

So kam es, dass wir unsere Urlaubspläne noch viele Male über Bord geworfen haben, ihnen einen Rettungsring zugeworfen haben und am Ende sind die meisten doch den Haien zum Fraß verfüttert worden (vor allem die großen Höhenunterschiede in Lateinamerika bereiteten uns Kopfschmerzen). Wir unternahmen zuerst eine kleine Reise an den Strand über Weihnachten und ein Städtetrip mit dem Auto am verlängerten Wochenende und tasteten uns langsam vor. Danach war folgendes klar: Haubi mag fliegen, Wasser, in der Tragetasche schlafen, die Brust. Haubi mag nicht: länger als eine Stunde Auto fahren, Kälte. Merkt euch vor der Reise, was euer Baby cool findet und was eher weniger. Und schon kann die Reise und der Zeitpunkt besser geplant werden.

Bei und lief das dann so ab: mit sieben Monaten hatte unser Haubi einen mehr oder weniger festen Schlafrhythmus und interessierte sich schon ein bisschen für die Umgebung, auch außerhalb der Reichweite zu Mamas Brust. Trotzdem. Planen ist gut, aber nur, solange sich auch jeder dran hält. Zwei Wochen vor Reisebeginn kamen die ersten beiden Zähne. Während der Reise die nächsten zwei.

 

Top 2: Transportmittel individuell anpassen

„Langstreckenflüge sind ein No-Go.“ Wie oft habe ich diesen Satz schon gehört und wann genau habe ich aufgehört zu erklären, dass Haubi lieber 12 Stunden fliegt als zwei Stunden im Auto zu sitzen?! Lasst euch nicht abschrecken von langen Flügen, wenn das, oder Zug und Bus fahren, die beste Lösung für euer Kind ist. Und spätestens beim zweiten Mal wisst ihr es sowieso besser 😉 Wobei „lange Flüge“ wirklich definitionssache ist, es gibt Mommy-Foren, da ist ein Flug von München nach Mallorca schon „der totale Graus für das Kind.“

Unser Fall: Haubi ist ein Automuffel, sitzt dafür im Flieger wie andere im Kinderwagen. Aber das verstehen viele Netz-Mommys nicht, erst recht nicht die, ohne Vielfliegerabo. Unsere Erfahrung hat uns gezeigt: kommen die Eltern mit der Situation klar, vertraut das Kind. Der Vorteil ist, dass das Kind noch keine Vorurteile kennt.

Top 3: Begegnungen zulassen

Noch nie zuvor in meinem Leben bin ich so leicht in kürzester Zeit mit so vielen verschiedenen Fremden ins Gespräch gekommen wie in den letzten Monaten mit Baby. Während es mir so scheint, als würden sich die frischgebackenen Eltern in Deutschland unter der Bettdecke verstecken (denn irgendwo müssen doch auch die 1,5 Kinder pro Familie sein?!), so gehören Kleinkinder in Lateinamerika zum Stadtbild, sind quasi das Wahrzeichen eines Kontinents. In Lateinamerika gibt es „Kinder verboten“ nicht. Manchmal solltet ihr aufpassen, denn auch auf wilden Busfahrten, Booten im offenen Meer und Rafting-Touren werden die Kleinsten mitgenommen. Wenn die Sicherheitsstandards nicht euren Wünschen entsprechen, dann müsst ihr selbst entscheiden, was mit dem Kind geht und was nicht. Ein Lateinamerikaner würde euch jedenfalls niemals sagen: „Hier lieber nicht mit Kind.“

In Kuna Yala, autonomes Gebiet der indigenen Einwohner Panamas, leben die Kuna. In den Reiseführern heißt es, ein verschlossenes Volk, die (weißen) Touristen mit Argwohn begegnen. Nicht so, wenn unser kleines (hellhäutiges, blauäugiges, haarloses) Wesen mit on board ist. Ein kleines Mädchen kam, um sich unser Haubi genauer anzuschauen. Binnen weniger Minuten hatten sich alle Inselbewohner um uns versammelt. Womit wir auch schon zu Punkt vier kommen.

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Zu Besuch bei einer Kuna Familie

 

Top 4: Kuna Yala besuchen

Tipps für eine Rucksackreise nach Panama wären ziemlich unvollständig, wenn die Kuna Yala-Region unerwähnt bleiben würde. Da das Territorium der Kuna-Bevölkerung autonom von der panamaischen Regierung lebt, investiert Panama auch nur sehr wenig Geld, um das Archipel touristisch zu bewerben (deswegen übernehme ich das mal an dieser Stelle): karibische Strände, Inseln teilweise nicht größer als ein Schrebergarten, Seesterne, Korallenriffe im glasklaren Wasser, wie es sie sonst nirgends gibt. Klar, „karibische Strände“ gibt es nicht nur dort und auch ich habe schon viele andere davor gesehen, aber nichts ist vergleichbar mit dem Landstrich, auf dem keine 5-Sterne-Hotelanlage, Eco-Resorts und Co. gebaut und angelegt werden (dürfen).

Die Anreise ist definitiv mit einem Mehraufwand verbunden und wer lieber keine Aufregung mag und kein Freund von ein bisschen Nervenkitzel und Abenteuer ist, sollte es vielleicht doch lassen. Aber auch wenn Eltern nach dieser Reise um drei graue Haare reicher geworden sind, das Meerwasser und die Sonne bleichen sie wieder blond. Aufstehen in Panama-Stadt früh morgens, drei Stunden mit dem SUV auf schlechten Straßen und eine wacklige Bootstour von mindestens einer dreiviertel Stunde, dann ist es geschafft.

Der beste Tipp für Reisen mit Kindern: bleibt einige Nächte auf einem Boot oder Katamaran und segelt von Insel zu Insel. So könnt ihr eventuellen Unwettern einfach davon schwimmen und seid befreit von lästigen Landplagen. Mai scheint übrigens die beste Reisezeit zu sein. Der Umschwung zwischen Trocken- und Regenzeit beginnt, das heißt, die Tage waren sonnig und heiß und abends kam ein kleiner, erfrischender Regenschauer.

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Kuna Yala: Eine Insel für jeden Tag.

Top 5: Colón nicht besuchen

In jedem Land scheint es diese eine Stadt zu geben, in der Touristen besser nichts zu suchen haben. Das ist in Panama Colón. Oder allgemeiner formuliert: wann immer ihr ein Schild seht, auf dem steht: „Schenke den Touristen dein schönstes Lächeln. Sie sind deine Zukunft,“ dann dreht lieber um. Auf direktem Weg. 

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„Schenke den Touristen dein bestes Lächeln“

Top 6: Hipp statt Zauberstab

Irgendwie möchten wir doch immer alles richtig machen. In meinem Umfeld heißt es zum Thema Babynahrung: „Wer weiß, was in diesen ganzen Fertigprodukten drin steckt, Essen für das Kind lieber selbst kochen.“ Weil auch ich selten bis nie zu Fertigtüten greife, habe ich mich von diesem Trend für mein Kind leicht anstecken lassen. Aber Urlaub und Rucksackreise könnte doch auch mal bedeuten, eine Auszeit zu nehmen vom „perfekten Mama-Dasein“. Obwohl der Pürierstab auf der Packliste stand, habe ich mich einen Tag vor der Reise einfach mal umentschieden. Babys gibt es überall, genauso wie Babynahrung. Wenn ihr das beim Packen bedenkt, reist es sich leichter. Und dann darf es eben auch mal Hipp, Gerber und Co. sein.

Das selbe gilt übrigens auch für Windeln. Die gibt es wirklich überall zu kaufen.

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Obst on board: Wenn der Hunger mal groß ist, sättigt auch eine Wassermelone

Was in den Koffer muss…

Vor allem wenn die Familie wirklich mit den Backpacks unterwegs ist, und angenommen die Kinder sind noch nicht groß genug ihr Gepäck selbst auf den Rücken zu schnallen, dann sollten die Taschen knapp gepackt werden. Nahrungsmittel und Windeln gibt es ja schon mal überall. Auch Spielzeug hatten wir zu viel dabei. Im Urlaub gibt es für Groß und Klein so viel neues zu entdecken, dass die alten Spielsachen völlig uninteressant werden. Spielzeug haben wir nur während des Flugs gebraucht. Da oben kann es nämlich doch sehr langweilig werden.

Was stattdessen unbedingt in den Koffer sollte:

  1. Mosquito-Schutz. Sie kommen immer dann, wenn am wenigsten mit ihnen gerechnet wird. Deswegen sollte immer eine kleine Packung Mückenschutz eingepackt werden. Auch für die ganz Kleinen gibt es schon Varianten und auch wenn es von einigen Seiten stark kritisiert wird: in tropischen Ländern, wie in Panama, ein Muss! (Wir fahren immer gut mit Johnson’s Anti-Mosquito Lotion für Babys)
  2. Ausreichend Kleidung für alle Wetterlagen. Das Wetter… selbst mit Wettervorhersage-Apps ist man nie auf der sicheren Seite. Deswegen nehmen wir immer für alle Klimamöglichkeiten Kleidung mit. Aber auch nicht übermäßig viel, sprich keine drei Jacken, vier Mützen und fünf Bikinis, denn für Waschmaschinen und -service gilt das selbe wie für Hipp und Pampers: gibt’s überall. Selbst wenn es in Panama teilweise 100% Luftfeuchtigkeit hat und das bei über 30 Grad, dann ist ein warmes Mützchen und ein Jäckchen unverzichtbar. Denn hier gilt: desto heißer draußen, umso stärker laufen die Klimaanlagen in Supermärkten, Taxen und sonstigen öffentlichen Verkehrsmitteln.
  3. Ein paar Kügelchen Globuli, Viburcol-Zäpfchen oder sonstige (Notfall-)Medikamente. Der Zugang zu medizinischer Versorgung ist nicht überall gegeben und wenn, dann sehr spärlich und langsam. Normalerweise finde ich solche Tipps völlig übertrieben, aber als es dann plötzlich um die Gesundheit des eigenen Kindes ging, wurde ich vorsichtiger. Es ist beruhigend zu wissen, dass im Falle des Falles erste Hilfe im Handgepäck sofort griffbereit ist.
  4. Sonnenschutz. Wir hatten zum Beispiel immer einen UV-Strahlen-undurchlässigen Regenschirm dabei.
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Papa el ingeneuro hat ein Sonnenschutz 2.0 gebaut

Reisen mal anders

Generell ist Reisen mit Kind völlig anders. Weniger entspannen, weniger naive Abenteuer.. Auf unserer Autofahrt nach Kuna Yala musste ich schmunzeln: wir teilten wir uns den SUV mit vier australischen Surfern – wirklich das Klischee von australischen Surfern: braungebrannt, blondgebleichte lange Haare, Tattoos von Meerjungfrauen, Ankern und Federn, bekifft und noch völlig betrunken sind sie morgens um fünf aus dem Bett direkt ins Auto gefallen. Lustige Reisen waren das damals.

Heute mit Kind ist es weder besser noch schlechter. Es ist anstrengender mit Kind, auf jeden Fall. Kein tagelanges Faulenzen mit Buch am Strand, keine wilden Touren durch den Urwald… Aber wirklich verzichten mussten wir auch auf nichts und werden es auf jeden Fall ein nächstes Mal wagen!

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Quelle Bildmaterial: unsplash | Pablo García Saldana; privat | mexikanischgeplant

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