Rabenmütter, Kuckucksväter…was zum Vogel?!

Gleichstellung? Nur noch 62.000 Mal schlafen. Ein Kommentar zur Gleichstellung von Männern, Frauen, Vätern, Müttern, Vögeln und sonstigen Geschöpfen.

Gleichstellung von Frauen und Männern am Arbeitsplatz? Ein Ziel, das laut Global Gender Gap Report des World Economic Forum nur noch 170 Jahre entfernt ist. Der Bericht vergleicht jedes Jahr die Chancen zwischen Männern und Frauen in den Bereichen Bildung, Gesundheit und wirtschaftliche und politische Beteiligung. Was 2016 dabei raus kam? Ein Jahr voller unerwarteter Ereignisse – nicht im Bereich der Gleichstellung. Denn gleich vorweg: große Überraschungen gibt es nicht zu erzählen.

Die Anführer der 144 analysierten Länder sind – Trommelwirbel – wie auch schon in Studien zur Bildung und zum Sozial- und Gesundheitssystem, die Skandinavier: Island, Finnland, Norwegen, Schweden. Deutschland folgt neun Plätze später und hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr sogar um zwei Nummern verschlechtert.

Aber was genau haben uns die Nordeuropäer eigentlich voraus?

Die Anekdote der Rabenmutter

Ich erinnere mich an ein Gespräch vor einigen Jahren mit einer dänischen Freundin. Mit Händen und Füßen versuche ich ihr den Begriff der Rabenmutter zu erklären. Das Wörterbuch ist mir dabei keine große Hilfe und spuckt die Übersetzung „cruel mother“ aus. Der Begriff der Rabenmutter geht in Deutschland tiefer, es ist eben nicht nur eine „grausame Mutter“, es ist viel mehr die Vorstellung in den Köpfen aller der meisten Deutschen von einer Mutter, die nicht das tut, was alle tun. Neulich musste ich in einem dieser Mutter-Foren im Internet lesen, dass eine frischgebackene Mama Angst hatte, eine bestimmte Tragetasche Marke X für ihr Kleinkind zu benutzen, weil im Dorf alle die Marke Y benutzen würden und die Trageberaterin des Dorfes, wohlgemerkt die Trageberaterin des Dorfes, eben nur diese andere Marke Y für ergonomisch akzeptabel erklärt hatte. Die arme Mutter wendet sich also an die anderen Foren-Mitglieder und ist voller Sorge, als Rabenmutter abgestempelt zu werden, wenn sie sich nicht dem Trage-Guru-Gefolge anschließen würde… Aber ich schweife ab. Zurück zur Rabenmutter und zu der Frage, wie die nordischen Länder uns voraus sind.

Der Ursprung liegt in der Kinderwippe

Des Rätsels Lösung ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, erklärt mir meine dänische Freundin. Sie erzählt, wie eine Mutter in Dänemark krumm angesehen wird, wenn sie nach der Geburt ihres Kindes nicht wieder ins Berufsleben einsteigt. Zugegeben, auch in Dänemark gibt es eine Elternzeit von bis zu einem Jahr, aber danach gehen eben die meisten Frauen wieder arbeiten. Genügend Betreuungsplätze, aber noch viel wichtiger, die Akzeptanz in der Gesellschaft machen es ihr möglich. Das Gehalt von Dänen und Däninnen unterliegt geringeren Geschlechterschwankungen als in Deutschland, kein Wunder also, dass dänische Frauen per se schneller wieder zum Büro-, Labor-, Schreinertisch wechseln. Ihre Arbeit bekommt finanzielle Anerkennung, die Kinder sind auch in guten Händen und sie läuft nicht Gefahr, dass die anderen Kindergarten-Mamas sie beim Jugendamt verpetzen. Grund: Rabenmutter.

Ob in Skandinavien wohl Mütter, die längerfristig zuhause bleiben, als Rabenmütter bezeichnet werden?

Erster Platz zur Schließung der Geschlechterlücke – und jetzt wir!

Mit ihrem Bericht macht das Weltwirtschaftsforum jährlich auf die geschlechterbedingte Chancenungleichheit aufmerksam. Es gestaltet sich immer mehr zu einem Wettbewerb und wer möchte nicht der Beste sein, wer möchte nicht alle Preise absahnen, die es zu gewinnen gibt. Ich hoffe, dass der Bericht zur globalen Geschlechterlücke mit jedem Jahr mehr an Gehör gewinnt und bald neben „Wettbewerben“ wie die PISA-Studie oder der Nobelpreis von Allerwelt gekannt wird und in aller Munde ist. Dass ein heute fünfzehnjähriger Junge, der stolz berichtet, er habe an der PISA-Studie teilgenommen und sein Land hat den ersten Platz gemacht, in wenigen Jahren auch sagen wird: „Ich habe an den Studien zur globalen Geschlechterlücke teilgenommen und mein Land hat den ersten Platz gemacht!“

 

Quelle Bildmaterial: Julia Revitt | unsplash

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